Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit der Schadenabwicklung von Verkehrsunfällen im Leasingfall befasst: In einem Urteil vom 29.01.2019 bestätigte das oberste Gericht der Bundesrepublik, dass ein Leasinggeber als Eigentümer berechtigt ist, Weisungen im Hinblick auf die Durchführung der Reparatur oder auch im Hinblick auf eine Verweigerung der Möglichkeit der fiktiven Abrechnung setzen darf (AZ: VI ZR 481/17).

Dem Leasingvertrag lagen im verhandelten Fall gebräuchliche Leasingbedingungen zugrunde, die beinhalteten, dass nach einem Verkehrsunfall der Leasinggeber durch den Leasingnehmer zu informieren ist und mit der Durchführung der Reparatur grundsätzlich ein vom Leasinggeber anerkannter Betrieb zu beauftragen ist.

In dem konkreten Fall hatte der Leasingnehmer einen Kostenvoranschlag eingeholt und machte die Reparaturkosten fiktiv gegenüber dem Haftpflichtversicherer des Unfallgegners geltend, der wiederum eine Freigabeerklärung des Leasinggebers einforderte. Das Amtsgericht (AG) Leipzig (Urteil vom 19.12.2016, AZ: 107 C 6843/16) und das Landgericht (LG) Leipzig (Urteil vom 13.11.2017, AZ: 7 S 12/17) haben der Klage der Leasingnehmers stattgegeben.

Besitzrecht nicht identisch mit Eigentumsrechten

Die grundsätzliche Frage, inwieweit ein Leasingnehmer, der zwar nicht Eigentümer, aber Besitzer des Leasingfahrzeuges ist, einen Verkehrsunfall fiktiv abrechnen kann, wurde nun erstmalig durch den BGH entschieden. Dieser hat sehr deutlich klargestellt, dass das Besitzrecht, das dem Leasingnehmer zusteht, nicht identisch ist mit den Eigentumsrechten des Leasinggebers.

Dem Leasingnehmer stehe zwar ein Schadenersatzanspruch für die Unmöglichkeit der Nutzung der beschädigten Sache zu. Der Ersatz des Substanzschadens steht jedoch dem Eigentümer – also dem Leasinggeber zu.

Überdies bestätigt der BGH die Zulässigkeit derKlausel in Leasingverträgen, dass es der Zustimmung des Eigentümers bei der Instandsetzungdes Fahrzeuges bedarf. Insoweit ist der Eigentümer der Sache – also der Leasinggeber – auch berechtigt, vorzuschreiben, dass eine konkrete Reparatur in einem bestimmten Fachbetrieb durchgeführt wird.

Der BGH interpretiert die Klausel in den Leasingverträgen wie folgt:
„Nachdem die Klägerin bisher keine Aufwendungen für die Reparatur des Kraftfahrzeugs erbracht hat, besteht ihr Schaden in der vertraglichen Verpflichtung, das Kraftfahrzeug auf ihre Kosten in einer vom Hersteller anerkannten Werkstatt reparieren zu lassen, mithin in der Belastung mit einer Verbindlichkeit, nicht aber auf die Zahlung der zur Tilgung der Verbindlichkeit erforderlichen Geldbetrages.“

Folgenden Leitsatz stellte der BGH der Entscheidung voran:
Der Leasingnehmer, der die Pflicht zur Instandsetzung des Leasingfahrzeuges gegenüber dem Leasinggeber und Eigentümer für jeden Schadensfall übernommen und im konkreten Schadensfall nicht erfüllt hat, kann nicht ohne Zustimmung (§ 182 BGB) des Eigentümers gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB vom Schädiger statt der Herstellung die fiktiven Herstellungskosten verlangen.

Herstellergebundene Leasinggesellschaften in der Mehrzahl

Den größten Marktanteil in Deutschland halten Leasinggesellschaften, die im Eigentum eines Automobilherstellers stehen. Die Entscheidung erleichtert es mit Sicherheit den herstellergebundenen Leasinggesellschaften, Schadensteuerungsmechanismenerfolgreich zu nutzen.

Die freien Karosserie- und Lackierfachbetriebe sind nach dieser Entscheidung gut beraten, Kunden dahingehend aufzuklären, dass bei einem Leasingvertrag die Zustimmung des Leasinggebers in der Regel einzuholen ist.


Stand: Juli 2019